Hirnblutung besser behandeln

Die Akutbehandlung der Hirnblutung war bislang nicht sehr erfolgreich. In den letzten Jahren hat man jedoch neue Methoden entwickelt. Für den Neurologen Urs Fischer besteht die berechtigte Hoffnung, dass Betroffene dereinst unter weniger Folgeschäden leiden.

Aktualisiert am 20. Februar 2025
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Es gibt zwei Arten von Hirnschlägen. Sie bewirken Ähnliches, sind aber ganz unterschiedlich: Der ischämische Hirnschlag entsteht, wenn ein Hirngefäss durch ein Blutgerinnsel verstopft wird. Teile des Gehirns erhalten keinen Sauerstoff, weil zu wenig Blut dorthin gelangt. Bei der Hirnblutung ist es gerade umgekehrt. Ein Blutgefäss platzt und es fliesst Blut ins Hirngewebe. Dadurch wird das Gewebe zerstört. Die Symptome sind in beiden Fällen gleich, meist handelt es sich um halbseitige Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen. «Auch ein erfahrener Neurologe kann beide Formen klinisch nicht zuverlässig unterscheiden», sagt Prof. Urs Fischer, Klinikdirektor der neurologischen Universitätsklinik am Berner Inselspital. Erst eine Computertomografie oder ein MRI im Spital zeigen, ob es sich um ein Gerinnsel oder um eine Blutung handelt.

Bis vor kurzem keine Therapie
Bei der Akutbehandlung des ischämischen Hirnschlags hat man grosse Fortschritte gemacht, die Schweiz und insbesondere das Inselspital Bern war hier federführend. Heute kann man bei über 90 Prozent der Patient*innen das Gerinnsel aus dem Gehirn entfernen. Entsprechend werden die Folgeschäden immer geringer. Bei der Hirnblutung hingegen sind die Erfolge bisher spärlich. «Bis vor kurzem hatten wir keine Therapie, die nachweislich etwas nützt», sagt Urs Fischer. Patient*innen kamen auf eine Überwachungsstation, wo sie vor Komplikationen geschützt wurden. Das war alles. Blutungen sind zwar seltener, sie betreffen 15 bis 20 Prozent der Hirnschlagpatient*innen, doch die Auswirkungen sind oft dramatisch. Schwere Behinderungen und Todesfälle sind nicht selten. Deshalb ist eine gute Behandlung dringend nötig.

Absaugen mit Katheter
Nun scheint sich das Blatt zu wenden. Neue Forschungsresultate machen Hoffnung. Man weiss mittlerweile, dass eine rasche, aggressive Blutdrucksenkung den Betroffenen hilft. Nehmen die Patient*innen Blutverdünner, dann stoppt man die blutverdünnende Wirkung mit Gegenmitteln. «Zusätzlich gibt es heute auch chirurgische Eingriffe, die wir erfolgreich anwenden», sagt Fischer. Sie verbessern das Schicksal nach einer Hirnblutung deutlich. Bei oberflächlichen Blutungen kann man mit einem minimalinvasiven chirurgischen Eingriff durch die Schädeldecke einen Sauger ins betroffene Gebiet einführen und dort das Blut absaugen. Dieser Eingriff hat eine gute Wirkung gezeigt, allerdings nur, wenn die Blutung wenige Zentimeter unter der Schädeldecke liegt. Da sich viele Hirnblutungen aber tief im Gehirn befinden, wird in weiteren Studien erforscht, ob auch dort ein solcher chirurgischer Eingriff Nutzen bringen könnte.

Warten auf den grossen Durchbruch
Ein weiterer Ansatz ist die dekompressive Kraniektomie. Das heisst, man entfernt chirurgisch einen Teil des Schädelknochens und näht die Haut wieder zusammen. Dadurch erhält die Schwellung, die durch die Blutung entstanden ist, mehr Raum. Der Druck im Gehirn nimmt ab. Später wird der Schädelknochen wieder eingesetzt. Eine wichtige Studie, geleitet von der Neurologie und Neurochirurgie am Berner Inselspital, wurde von der Schweizerischen Herzstiftung sowie vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt und 2024 in der renommierten Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlicht. Die Therapie zeigte bei schweren, tiefen Blutungen eine Wirkung, die Folgeschäden wurden verringert. Dennoch tragen die Patientinnen und Patienten bleibende Behinderungen davon und sind oft auf Unterstützung im Alltag angewiesen. «Den grossen Durchbruch wie beim ischämischen Hirnschlag haben wir zwar noch nicht erreicht», sagt Urs Fischer, «aber wir haben gute Einsichten in neue Behandlungsansätze gewonnen.» In Zukunft werde vor allem die richtige Kombination dieser Methoden den Erfolg bringen. Dazu brauche es dringend weitere Studien, so Fischer.

Eine Ambulanz mit CT oder MRI?
Da sich eine Hirnblutung besonders schnell entwickelt, ist der Faktor Zeit sehr wichtig. Symptome müssen möglichst rasch erkannt und der Notruf 144 alarmiert werden. Nur so ist eine erfolgreiche Behandlung in einem Spital mit einer Hirnschlagabteilung möglich. Urs Fischer denkt bereits einen Schritt weiter: Idealerweise hätte man in der Ambulanz ein Mini-CT oder MRI, das man der Patientin, dem Patienten über den Kopf stülpen kann. Denn wenn man schon dort wüsste, dass es sich um eine Hirnblutung handelt, könnte man den Blutdruck gleich senken und gegebenenfalls die Blutverdünnung rückgängig machen. Hilfreich wäre auch ein Medikament, das wie ein Klebstoff das verletzte Blutgefäss zuklebt und die Blutung stoppt. Auch dazu läuft momentan eine Studie.

So schützen Sie Ihr Gehirn

Gesunde Gefässe halten das Gehirn in Schwung. Daher ist es wichtig, die grössten Gefäss-Risiken in den Griff zu bekommen. Folgende 6 Tipps helfen, einem Hirnschlag oder einer vaskulären Demenz vorzubeugen:

  1. Lassen Sie den Blutdruck messen. Bluthochdruck ist der grösste Risikofaktor für einen Hirnschlag. Daher sollten Erwachsene den Blutdruck kontrollieren lassen.
  2. Aktivieren Sie Ihren Körper. Täglich ausreichend Bewegung bringt unsere Gefässe und die Gehirnzellen in Schwung.
  3. Essen Sie gesund. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse und wenig Zucker, Salz und schlechten Fetten hält Sie fit und Ihr Körpergewicht im Zaum. Halten Sie sich beim Alkohol zurück.
  4. Verzichten Sie aufs Rauchen. Zigaretten und andere tabak- und nikotinhaltige Produkte erhöhen den Blutdruck und schädigen die Hirngefässe.
  5. Schlafen Sie 7 bis 8 Stunden. Ein gesunder Schlaf hält unsere Gefässe und das Gehirn frisch.
  6. Reduzieren Sie Stress und suchen Sie Entspannung. Dauerhafter Stress fördert Entzündungen und beeinträchtigt unser psychisches Wohlbefinden.