«Eine gute Schlafhygiene reicht in vielen Fällen»

Schlafstörungen betreffen Herz-Kreislauf-Patient*innen besonders häufig. Der Kardiopsychologe Sven Schmutz erklärt, wann man von einem gestörten Schlaf spricht und wie man diesen behandelt.

Aktualisiert am 15. Mai 2025
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Wie häufig sind Schlafstörungen?
Dr. Sven Schmutz:
In der Allgemeinbevölkerung geht man von 20 Prozent Betroffenen aus. Bei Herz-Kreislauf-Patientinnen und -Patienten sind es 40 bis 45 Prozent. Diese Zahlen beziehen sich hauptsächlich auf Menschen nach einem Herzinfarkt.

Weshalb sind Herzpatient*innen häufiger betroffen?
Herz-Kreislauf-Krankheiten sind ein Stressor. Man ist im Beruf und privat mit Herausforderungen konfrontiert. Häufig ist dies mit Einschränkungen verbunden. Unter Belastungen schlafen nicht alle, aber viele Menschen schlechter.

Wann spricht man von einer Schlafstörung?
Wenn man nicht einschlafen kann oder in der Nacht wach bleibt. Für manche ist es bereits eine Belastung, wenn sie statt den üblichen 5 Minuten 20 Minuten zum Einschlafen brauchen. Für uns Fachpersonen ist dies aber noch keine Schlafstörung. Auffällig wird es eher ab 45 Minuten, dreimal pro Woche über drei Monate hinweg, und es muss im Alltag störend sein. Dann sollte man Hilfe suchen.

Was heisst störend?
Nervig sein reicht noch nicht, man muss am Tag müde sein. Ausserdem dürfen keine ungewöhnlichen Störfaktoren daran beteiligt sein. Wenn man kleine Kinder hat, die in der Nacht erwachen, ist es klar, dass man nicht gut schläft. Auch ein Bewerbungsgespräch am nächsten Tag kann den Schlaf rauben. Aber das ist keine Störung.

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Sven Schmutz ist Kardiopsychologe am Inselspital Bern. Er hilft Herzpatient*innen, mit ihrem angeschlagenen Herzen besser zu leben. Neben Schlafstörungen behandelt er auch chronischen Stress, Ängste und Depressionen. (Quelle: Jen Haas)

Welche Therapien gibt es bei Schlafstörungen?
Man beginnt in der Regel ohne Medikamente. Wir schauen uns die sogenannte Schlafhygiene an. Also wann geht man ins Bett? Wie lange ist man im Bett? Was macht man am Tag, vor dem Einschlafen? Dann versuchen wir, die Schlafhygiene zu verbessern, zum Beispiel indem Betroffene nicht zu lange im Bett bleiben und den Tagschlaf verhindern.

Das hilft weiter?
Ja, aus meiner Erfahrung reicht dies oft schon aus. Wichtig ist eine genaue Diagnostik. Denn neben den sogenannten psychogenen Ursachen kann auch eine körperliche Krankheit dahinterstecken. Diese muss man medizinisch behandeln.

Wie lange dauert Ihre Therapie?
Unsere Therapien bei Schlafstörungen sind eher kurz, etwa 10 Sitzungen. Nachdem wir die Schlafgewohnheit erfasst haben, zeigen wir den Patientinnen und Patienten auf, wie sie den gesunden Schlaf fördern. Kommen negative, störende Gedanken hinzu, gehen wir diese zusammen an. In vielen Fällen können wir den Schlaf gut verbessern.

Helfen Medikamente?
Wenn psychotherapeutische Massnahmen nicht reichen, kommen auch Medikamente zum Zug, allerdings zeitlich begrenzt.