Den Zufall erkennen und richtig handeln

Betroffene bloggen: Der Betroffenenrat der Schweizerischen Herzstiftung gibt Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einem Hirnschlag eine Stimme. In diesem mehrteiligen Blogartikel schildert Jacques Zuber, wie dank seiner Leidenschaft fürs Langlaufen Schlimmeres verhindert werden konnte.

Aktualisiert am 15. Februar 2024
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Teil 3 von 3

Dieser Blog bringt die persönliche Meinung der Mitglieder unseres Betroffenenrates zum Ausdruck. Die Schweizerische Herzstiftung übernimmt keine Verantwortung für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit. Die gemachten Aussagen ersetzen nicht das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin.

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Rückblickend stellt man sich Fragen. Hätte man Jacques Zubers Aneurysma entdeckt, wenn er damals nicht zum Kardiologen gegangen wäre? Wenn er daraufhin nicht regelmässig kontrolliert worden wäre? Wichtig jedenfalls war, dass er im Oktober 2008 richtig gehandelt hatte.

Die Frage des Herzklappenersatzes wurde eingehend diskutiert. Soll es eine mechanische oder biologische sein? Die Wahl einer künstlichen Herzklappe sollte man besser nicht dem Zufall überlassen. Da ist sorgfältiges Abwägen der Vor- und Nachteile mit dem Kardiologen angesagt. Dieser Prozess ist und bleibt komplex, manchmal ist er auch bedrückend, da die Operation auch heute noch häufig am offenen Herzen erfolgt.

Ende Oktober 2008 hatte ich auffällige Beschwerden mit der Atmung. Als ich eines Abends von der Arbeit nach Hause kam, fiel mir das Treppensteigen schwer. Wie konnte das sein? Was war da los? Auch wenn ich nicht mehr am Engadiner teilnahm, war ich immer noch sportlich aktiv und glaubte fit zu sein. Seit knapp 30 Jahren lebte ich im (Unter-) Bewusstsein mit einer undichten Aortenklappe und seit 10 Jahren mit einem nun schnellwachsenden Aneurysma.

An diesem Abend entschied ich in Absprache mit meiner Frau, nichts mehr dem Zufall zu überlassen. Freunde brachten uns noch am selben Abend nach Zürich in die Herzklinik Hirslanden. Infolge der herrschenden Weltwirtschaftskrise im Oktober 2008 und der damit einhergehenden Verwerfungen glaubte man zuerst an einen Herzinfarkt. Nach Prüfung meiner Werte wurde aber schnell klar, dass der Zustand meines Aneurysmas sich quasi «schlagartig» verschlechtert hatte.

Dennoch bestand keine Panik, und die OP verlief wie geplant. Mit der Sanierung des Aneurysmas war aber klar, dass man auch die Aortenklappe ersetzen sollte. Es bestand Handlungsbedarf. Heute, 15 Jahre später, darf ich feststellen, dass die Wahl einer biologischen Aortenklappe richtig war. Zehn Tage nach dem Eingriff war ich auf dem Weg nach Seewis zur Reha. Nach fünf Wochen intensiver und zielgerichteter Reha war ich an Weihnachten 2008 schon wieder in der Lage, Alpin- und Nordisch-Ski zu laufen.

Die eher zufällige Diagnose einer undichten Herzklappe hat mir geholfen, dem Thema Beachtung zu schenken und regelmässig kardiologische Kontrollen machen zu lassen. Ohne diese Kontrollen wäre höchstwahrscheinlich auch «mein» Aneurysma nicht frühzeitig entdeckt worden.

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Der Autor
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Als Jacques Zuber dreissig war, bemerkte ein Kardiologe ein Klappengeräusch. Seine Aortenklappe war wahrscheinlich von Geburt an undicht. Daraus entwickelte sich ein Aorten-Aneurysma, das fast dreissig Jahre später behoben wurde. Heute ist er pensioniert und setzt sich ehrenamtlich für den Betroffenenrat ein.

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