Zufall? Wie zwei Holzlatten mein gesundheitliches Problem aufdeckten

Betroffene bloggen: Der Betroffenenrat der Schweizerischen Herzstiftung gibt Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einem Hirnschlag eine Stimme. In diesem mehrteiligen Blogartikel schildert Jacques Zuber, wie dank seiner Leidenschaft fürs Langlaufen Schlimmeres verhindert werden konnte.

Aktualisiert am 15. Februar 2024
Betroffene bloggen jacques 7 24
Teil 1 von 3

Dieser Blog bringt die persönliche Meinung der Mitglieder unseres Betroffenenrates zum Ausdruck. Die Schweizerische Herzstiftung übernimmt keine Verantwortung für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit. Die gemachten Aussagen ersetzen nicht das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin.

–––––

Als technikaffiner Mensch hält Jacques Zuber wenig von Zufällen. Dennoch war es ein Zufall, der ihn auf seine undichte Aortenklappe geführt hat. Er hatte eine Grippe und wollte unbedingt am Engadiner Skimarathon teilnehmen.

Ende der 1970er-Jahre habe ich im Herbst zufällig einen ehemaligen Schulkollegen, nennen wir ihn Heinz, im Engadin getroffen. Bald erklärte mir Heinz, dass er hier sei, um sich auf den nächsten Engadin Skimarathon vorzubereiten. Ich war mindestens ebenso sportlich unterwegs und hatte ein bisschen Mühe, mir Heinz auf den schmalen Langlauflatten vorzustellen. Für die Jüngeren unter euch: Langlauf war zwar im Aufkommen, wurde aber nur im klassischen Stil gelaufen und mit Holzskis, die man mühsam aus Norwegen oder Finnland importieren musste. Das Wachsen war eine kleine Wissenschaft, und gute Langlauf-Wachse waren nur schwer erhältlich, auf alle Fälle hier in der Schweiz. Die Skatingtechnik war noch nicht erfunden und so zog man seine Spur in zwei (vor-)gespurten «Gräbli».

Der erste Engadiner fand 1969 statt mit etwa 950 Teilnehmenden. Die Teilnehmer*innen mussten in den Anfangsjahren mit der Anmeldung ein ärztliches Zertifikat vorlegen. Das Langlaufen in einer Höhe von 1800 m ü. M war als Breitensport noch nicht «erforscht», man befürchtete gesundheitliche Probleme. Schnell sollten die Teilnehmerzahlen ansteigen. Bereits sieben Jahre später wurde die Zahl von 10’000 Teilnehmer*innen überschritten.

Schnell war für mich als guter Alpin-Skiläufer klar, dass ich am Engadiner unbedingt auch teilnehmen musste, so nach dem Motto, was Heinz kann, kann ich auch. Eine Ahnung vom Langlaufsport hatte ich, in den Skiferien mit der Familie in Klosters teilten wir Kinder den Ski-Keller mit Langlauf-Cracks aus Schweden und Finnland. Diese trainierten hier für die Olympischen Winterspiele 1964 im österreichischen Innsbruck. Die Höhe und der inneralpine Schnee von Klosters entsprach demjenigen in Seefeld, wo der Wettbewerb stattfand. Die Skandinavier hatten schnell erkannt, dass gezieltes Höhentraining helfen konnte, den Transport von Sauerstoff im Blut zu verbessern. In diesem Ski-Keller wachsten die Cracks aus dem Norden ihre Latten noch selbst.

Heinz hatte mich «angefixt». Im Winter 1979 kaufte ich mir eine Ausrüstung und meine ersten Versuche fanden in Einsiedeln und Rothenthurm statt. Die Loipen waren im Vergleich zu heute eher schlecht präpariert: Freiwillige zogen ein kleines Spurgerät hinter sich her. Ein Motor-Schlitten mit Spurgerät war bereits Luxus. Eine Woche vor dem Engadiner, der traditionsgemäss immer am zweiten Sonntag im März stattfindet, war ich bereits im Engadin zur Akklimatisierung und zum Training. Meine erste Teilnahme im März 1980 am Engadiner Skimarathon verlief so-so-la-la, irgendwo im Mittelfeld. Teilnehmen ist wichtiger als siegen.

Ein Jahr später war ich für den Engadiner deutlich besser vorbereitet, aber eine schwere Grippe zwang mich, zehn Tage vor dem Marathon einen Arzt aufzusuchen. Mein Hausarzt war abwesend, und so wurde ich an einen Arzt im Nachbardorf verwiesen. Nach einer pneumologischen Untersuchung mit dem Stethoskop war seine Diagnose kurz und bündig, einem Start am Engadiner 1981 stand nichts im Weg. Der Arzt aber sagte, er möchte gerne, dass das Geräusch auf dem Herzen gelegentlich genauer untersucht werde …

Kontakt

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Blog? Schreiben Sie uns eine E-Mail und wir tauschen uns gerne persönlich mit Ihnen aus.

Betroffenenrat kontaktieren

Der Autor
Zuber 2 rgb nb web

Als Jacques Zuber dreissig war, bemerkte ein Kardiologe ein Klappengeräusch. Seine Aortenklappe war wahrscheinlich von Geburt an undicht. Daraus entwickelte sich ein Aorten-Aneurysma, das fast dreissig Jahre später behoben wurde. Heute ist er pensioniert und setzt sich ehrenamtlich für den Betroffenenrat ein.

1 510 Betroffenenrat 2020 DE
Ihre Meinung zählt

Sie wollen sich im Betroffenenrat engagieren?

Die Schweizerische Herzstiftung hat zusammen mit vier Initiant*innen den Betroffenenrat gegründet, um Patient*innen eine Stimme zu geben. Erfahren Sie im Flyer mehr darüber, wie Sie sich als Betroffene*r oder Angehörige*r im Betroffenenrat einbringen können. Wir freuen uns über Ihr Engagement!

zur Broschüre