Weniger Gerinnsel aus dem Herzen

Vorhofflimmern ist eine häufige Ursache für verborgene Hirnschläge. Was das für Patient*innen mit Vorhofflimmern bedeutet und wie man sie besser vor gefährlichen Gerinnseln schützen kann, versucht der Kardiologe Michael Kühne herauszufinden.

Aktualisiert am 13. Februar 2025
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Seit etwa 15 Jahren weiss man, dass viele Erkrankungen des Herzens auch die Leistung des Gehirns beeinträchtigen oder es gar schädigen. Beim Vorhofflimmern ist der Zusammenhang deutlich: Diese häufige Herzrhythmusstörung erhöht das Risiko eines Hirnschlags. «Zahlen zeigen auf, dass Betroffene ein etwa doppelt so hohes Risiko haben wie vergleichbare Personen ohne Vorhofflimmern», sagt Prof. Michael Kühne, Rhythmologe am Universitätsspital Basel. Ursache für die Hirnschläge sind Gerinnsel, die sich aufgrund der Rhythmusstörung im linken Vorhof bilden können. Je mehr man das Vorhofflimmern hat, desto grösser ist das Risiko, dass solche Gerinnsel entstehen und aus dem Herzen geschwemmt werden. Zu 80 Prozent gelangen die Gerinnsel dann ins Gehirn. Bei kleinen Blutgerinnseln kann der Hirnschlag unbemerkt, eben verborgen erfolgen.

Oft Narben entdeckt
Inzwischen hat sich herausgestellt, dass solche Hirnschläge recht häufig passieren: In der Studie Swiss AF, die von der Schweizerischen Herzstiftung mitfinanziert worden ist, findet man auf den MRI-Bildern des Gehirns bei über einem Drittel der Patient*innen mit Vorhofflimmern Vernarbungen, also Hinweise auf einen früheren, verdeckten Hirnschlag. Die Studie konnte ebenfalls aufzeigen, dass solche Hirnschläge nicht still sind. «Wir haben festgestellt, dass sie zu einem geistigen Abbau führen, der einer Hirnalterung von etwa 10 Jahren entspricht», sagt Michael Kühne. So können beispielsweise sogenannte Exekutivfunktionen beeinträchtigt sein, also die Fähigkeit, das Denken und Handeln zu steuern. Deshalb ist es für Kühne sehr wichtig, dass man das Vorhofflimmern so schnell wie möglich diagnostiziert und behandelt. Denn gerade die Behandlung in der Zeit nach dem erstmaligen Auftreten ist die wirkungsvollste.

Pulsmessung
Ein einfacher Test wie das Pulsmessen kann helfen, ein Vorhofflimmern zu erkennen.

Noch bessere Therapien nötig
Eine Behandlung mit Gerinnungshemmern beugt solchen Hirnschlägen vor. «Diese Medikamente wirken sehr gut, verhindern aber nicht alle Hirnschläge», sagt Kühne. Für ihn braucht es weitere Massnahmen, um das Gehirn vor dem geistigen Abbau zu schützen. Das Vorhofflimmern soll möglichst rasch unterdrückt werden, sei es mit Medikamenten oder einer Ablation, also einem Eingriff, bei dem problematische Stellen im Herz verödet werden. Aber auch die Herz-Kreislauf-Risiken, die bei Betroffenen häufig erhöht sind, müssen unbedingt kontrolliert und allenfalls behandelt werden. 

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