Swiss-AF BURDEN-Studie
In der Swiss AF BURDEN-Studie wird untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Last (englisch «burden») des Vorhofflimmerns und teils stummen Hirnschlägen, Herzinsuffizienz und kardiovaskulärem Tod.
Die Studie, welche die Schweizerische Herzstiftung mit 500'000 Franken unterstützt, wurde am 1.August 2018 gestartet und wird 2022 abgeschlossen. Eine Zwischenbilanz.
Die Studie: Beim Einschluss der Patient*innen in die Swiss-AF Burden Studie wurde eine Langzeit-EKG Untersuchung über 7 Tage durchgeführt, danach wieder nach einem Jahr. Dabei stellte sich heraus, dass bei manchen Patient*innen die Vorhofflimmer-Last im Laufe der Zeit zunimmt, bei anderen bleibt sie stabil oder nimmt sogar ab. Diese Unterschiede dürften sich auch in den zu beobachtenden kardiovaskulären Ereignissen niederschlagen. Eine Untergruppe hat einen sogenannten Loop-Rekorder unter die Haut implantiert bekommen. Dieser zeichnet das EKG und somit auch das Vorhofflimmern kontinuierlich während rund dreier Jahre auf. Damit lässt sich die Vorhofflimmer-Last und deren Auswirkungen ganz genau und differenziert betrachten. Die stummen Hirnschläge werden mittels MRI-Aufnahmen ermittelt, zudem werden allen Teilnehmern Blutproben entnommen, aus denen verschiedene Biomarker bestimmt werden.
Erste Ergebnisse: Eingeschränkte Herzfrequenz-Variabilität
Die Forschenden haben die bislang erhobenen Daten zum Teil bereits analysiert und veröffentlicht. Es wurden verschiedene Parameter betrachtet, zum Beispiel die Herzfrequenzvariabilität. Diese ist ein Indiz dafür, wie gut sich die Herzfrequenz den körperlichen und mentalen Anforderungen
anpassen kann. Die Ergebnisse zeigen, dass Vorhofflimmer-Patient*innen mit eingeschränkter Herzfrequenzvariabilität ein erhöhtes Risiko für stumme Hirnschläge und kognitive Einschränkung haben und eine höhere Mortalität aufweisen.
Möglicher Nutzen: Blutverdünnung verbessern
Patient*innen mit Vorhofflimmern bekommen je nach Risikokonstellation meist einen oralen Blutverdünner verschrieben. Bei denjenigen mit einem niedrigen Risiko – das sind vor allem Jüngere ohne Begleiterkrankungen – stellt sich die Frage, wann das sinnvoll ist. In Zukunft könnte man die Vorhofflimmer-Last miteinbeziehen, um sich für oder gegen eine Blutverdünnung zu entscheiden. Denn eine Blutverdünnung ist immer mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden.
Es gibt zudem Patient*innen, die sehr kurze asymptomatische Vorhofflimmerepisoden aufweisen. Bei diesen Personen ist noch unklar, ob sie von einer oralen Blutverdünnung profitieren. Hier könnte man in Zukunft Schwellenwerte festlegen, ab denen eine Blutverdünnung Sinn macht.
Es wurde zudem eine sehr grosse Reihe an Biomarkern aus dem Blut der Patient*innen untersucht. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Biomarker die Voraussage von Ereignissen deutlich verbessern können.
Ausblick: Diagnose verbessern
Die kommenden Jahre werden weiter Aufschluss darüber geben, wie die Vorhofflimmer-Last und kardiovaskuläre Ereignisse zusammenhängen. Die EKG-Daten werden auch in der Swiss AF-Burden Studie mittels künstlicher Intelligenz (machine learning) analysiert werden. Sind alle diese Informationen und Daten erst mal vorhanden, werden auch Empfehlungen für die Behandlung der Patient*innen gemacht werden können.
Diese Schlussfolgerungen könnten in Zukunft auch in die Auswertung von Daten einfliessen, die über die sogenannten Wearables – Smart-Watches, Fitnessbänder etc. – erfasst werden. Manche dieser Geräte können bereits heute ein brauchbares EKG erstellen, das dem Arzt, der Ärztin nützliche Informationen liefert. Dadurch, dass immer mehr Menschen solche Geräte nutzen, entspricht das in einem gewissen Sinne einem Massen-Screening. Umso wichtiger ist es, diese Daten auswerten und Empfehlungen daraus ableiten zu können. Auch dafür könnte die Swiss AF-Burden-Studie wichtige Informationen liefern.