Wem die Statine sonst noch helfen

Cholesterinsenkende Statine haben ihren festen Stellenwert bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Studien in den letzten Jahren haben gezeigt, dass auch Patient*innen davon profitieren, die eine Behandlung gegen Krebs oder das HI-Virus erhalten.

Aktualisiert am 17. Februar 2026
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Roland Kobelt* ist schlank, ernährt sich ausgewogen und ist mit seinen 53 Jahren körperlich sehr fit. Wenn er bergauf ging, hatte er in den letzten Monaten jedoch immer häufiger Mühe mit der Leistung. Der Arzt tippte zunächst auf ein Problem der Atmungsorgane. «Aber der Spray, den er mir verschrieben hatte, nützte nichts», sagt Kobelt. Dass es am Herz liegen könnte, merkte man erst viel später anlässlich einer Koronarangiographie. Ein Herzkranzgefäss war hochgradig verengt und Roland Kobelt erhielt einen Stent. «Das hat mich kalt erwischt», erzählt er, «und beschäftigt mich noch heute. Ich bekam plötzlich Angst um mein Herz.»

HIV ist ein Risikofaktor
Roland Kobelt ist nicht der typische Herzpatient. Er wird seit 14 Jahren gegen das HI-Virus behandelt. Die Medikamente halten die Viren in Schach und ermöglichen ihm ein normales Leben. Wie man heute weiss, haben Menschen mit HIV verglichen mit der Allgemeinbevölkerung ein doppelt so grosses Risiko für eine Arteriosklerose. Zu den Gründen zählen die Aktivierung des Immunsystems durch das Virus, chronische Entzündungen und die antiviralen Medikamente, welche die Cholesterin-Werte erhöhen. Eine neue Studie hat nun aufgezeigt, dass die Behandlung mit Statinen ein schweres Ereignis wie einen Herzinfarkt oder einen Hirnschlag bei HIV-Betroffenen um 35 Prozent senkt. Deshalb empfiehlt die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) neu eine Statin-Therapie für Menschen mit HIV ab 40 Jahren, unabhängig von ihrem Herz-Kreislauf-Risiko und den gemessenen Cholesterin-Werten.

Bei Chemotherapie ein Schutz
Statine zeigen auch Vorteile bei einer Chemotherapie mit Anthrazyklinen, die bei zahlreichen Krebsarten eingesetzt wird. Die Wirkstoffe können das Herz schädigen und zu einer Herzinsuffizienz führen. Nun stellte sich heraus, dass Statine einen kardioprotektiven, also das Herz schützenden, Effekt haben. «Den Schutzmechanismus kennen wir noch nicht ganz genau», sagt Prof. Gabriela Kuster, Kardio-Onkologin am Universitätsspital Basel. Statine senken nicht nur das LDL-Cholesterin. Angenommen wird, dass sie auch einen spezifischen Prozess blockieren, bei dem es zur Schädigung der Herzmuskelzellen durch das Krebsmedikament kommt. Ausserdem wirken Statine entzündungshemmend und schonen die Zellen. Gabriela Kuster verabreicht Statine deshalb ausgewählten Patient*innen, die ein hohes Risiko haben und eine solche Chemotherapie mit sehr hohen Dosen erhalten. «Allerdings haben wir dazu bislang erst eine Studie», sagt Gabriela Kuster, «bis wir eine allgemeine Empfehlung für alle Krebspatientinnen und -patienten aussprechen können, brauchen wir noch weitere Daten.» 

*Name geändert

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