« Ich hatte Angst, dass man seine Geräte abstellen müsste»

Jean-Bernard Repond überlebt einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Dass er, seine Ehefrau Micheline und die Familie das Leben gemeinsam weiterführen können, ist einem grossen Glück zuzuschreiben. Vor allem aber drei mutigen Helfer*innen.

Aktualisiert am 06. November 2025
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Quelle: Ralph Hut

Es hört sich an wie ein Thriller, wenn Jean-Bernard Repond zu erzählen beginnt. Der 67-Jährige hat ein zuversichtliches Strahlen, eine positive Energie, obwohl das fast tödliche Ereignis erst zwei Monate zurückliegt. Dann kramt er sein Handy hervor und sagt: «Da, schauen Sie, da ist es passiert.» Er öffnet die Fitness-App, die er beim Sport braucht, um seine Herzfrequenz aufzuzeichnen, und zeigt auf die Kurve. Um 9.50 Uhr sinkt sie plötzlich von 132 auf null. Dann macht die Kurve einen kleinen Buckel und sackt endgültig ab. Ob sein verstummtes Herz nochmals kurz zu schlagen versuchte, bevor der Lebensretter mit der Herzmassage begann?

Am 9. Mai dieses Jahres ging Jean-Bernard Repond wie häufig joggen. Bulle, sein Wohnort, liegt auf einem Hochplateau im Greyerz auf fast 800 m.ü.M. Entsprechend war es recht frisch. Doch das hielt ihn nicht davon ab, er wollte sich auf den Halbmarathon am Dreiländerlauf in Basel vorbereiten. Sport war schon immer seine grosse Leidenschaft. Zusammen mit seiner Ehefrau Micheline hat er mit dem Velo oder zu Fuss schon den halben Kontinent durchquert. An diesem Morgen rannte er entspannt seine Strecke, das Quartier runter bis zu einem Kreisverkehr, wo er kurz überlegte, ob er die Strasse überqueren und zu einem Bach abzweigen sollte. Weil ihm ein Auto entgegenkam, entschied er sich, weiter auf dem Trottoir entlang der Strasse zu bleiben. Nach etwa hundert Metern sackte er in sich zusammen und lag reglos auf dem Boden.

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Micheline Repond erhielt eine Stunde später eine seltsame Mitteilung einer Freundin, die sich nach ihr und Jean-Bernard erkundigte. Sie habe erfahren, dass sich ein Unfall ereignet habe und sich Menschen um jemanden kümmerten, der am Boden liege. Er sah wie Jean-Bernard aus. «In diesem Moment war für mich klar, dass etwas Schlimmes passiert ist, ich habe sofort an einen Herzinfarkt gedacht», erzählt sie. Sie rief die Notfallstation des Kantonsspitals Freiburg an und ein Arzt erklärte ihr, dass ihr Ehemann einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten habe und nun auf der Intensivstation liege. «Ich wusste, dass er noch lebte. Aber ich hatte grosse Angst, dass sein Gehirn einen schweren Schaden erlitten haben könnte und die Geräte abgestellt werden müssten», erzählt sie.

Fünf Tage lag Jean-Bernard auf der Intensivstation, insgesamt sieben Tage im Spital. Für Micheline Repond und ihre Kinder war diese Zeit fürchterlich. Nur schrittweise kam sein Erinnerungsvermögen zurück. «Es war eine sehr schwierige Woche», sagt Micheline rückblickend. Es hätte schlimm ausgehen können, doch sein Zustand verbesserte sich allmählich. Nach einer Woche implantierte man ihm einen Herzschrittmacher mit Defibrillator. «Vier Stunden später standen wir hier auf unserer Terrasse. Das war sehr seltsam», erinnert sich Micheline. «Das überforderte mich völlig. Ich stürzte in eine grosse Krise.»

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Jean-Bernard und Micheline Repond. (Quelle: Ralph Hut)

Die Folgen des Schocks spürte sie auch noch in den Wochen danach. Um diesen gemeinsam zu verarbeiten, wollte Micheline Repond herausfinden, wie ihr Ehemann an diesem Morgen gerettet worden war. Sie machte via Facebook einen Aufruf, um die Retter*innen zu finden. Dieser verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Das Ehepaar traf sich kurz danach mit den drei Personen, die sich bei ihm meldeten. Erst im Gespräch wurde klar, wie viel Glück Jean-Bernard Repond hatte. Es begann damit, dass er nach dem Kreisverkehr nicht zum Bach abgebogen ist. «Dort unten hätte mich niemand gefunden», sagt er. Als er neben der Strasse zusammensackte, sah ihn ein Fahrzeuglenker, der unverzüglich den Notruf 144 alarmierte. Ein zweiter Autofahrer hielt und begann sofort mit der Herzdruckmassage. Eine dritte Person hat den beiden assistiert.

«Ich gehöre zu den acht Prozent, die den Herzstillstand überleben, und zu den wenigen, die keine Schäden davontragen.»


Alles grenzt an ein Wunder. «Ich gehöre zu den acht Prozent, die einen Herzstillstand überleben und zu den ganz, ganz wenigen, die keine Schäden davontragen», sagt er. Innert weniger Minuten wurde an diesem Morgen über Tod oder Leben entschieden. Zwei Wochen nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand war Jean-Bernard Repond mit seiner Familie am Dreiländerlauf in Basel. Dieses Jahr als Zuschauer. «Es hätte das Ende sein können», sagt er, «und ein paar Wochen später wird mir klar, dass ich alle sportlichen Aktivitäten wieder machen kann wie früher. Dafür verspüre ich eine grosse Dankbarkeit.» Dass sich das Schicksal zu seinen Gunsten entschieden hat, verdankt er vor allem Menschen, die im richtigen Moment das Richtige taten. «Wenn ich hier meine Geschichte erzähle», sagt er abschliessend, «dann möchte ich damit vor allem hervorheben, dass jeder das Leben von jemandem retten kann.» Und am Schluss wird seine sonst sanfte Stimme besonders kräftig: «Deshalb mein Aufruf an alle: Bildet euch in Lebensrettung aus!»

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