Fischölkapseln mit Nebenwirkungen

Omega-3-Fettsäuren gehören zu den am häufigsten konsumierten Nahrungsergänzungsmitteln. Doch sie sind nicht risikofrei. Eine veröffentlichte Metastudie des Genfer Kardiologen Baris Gencer bestätigt, dass Fischölkapseln das Risiko einer Herzrhythmusstörung erhöhen.

Aktualisiert am 13. Februar 2025
Header fischoel forschungspreis22

Hohe Blutfettwerte sind wesentlich für die Entwicklung einer Arteriosklerose und damit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung verantwortlich. Dieser Zusammenhang ist mittlerweile deutlich belegt. Eine angepasste Ernährung, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel können diese Werte senken und damit gefährlichen Ereignissen wie einem Herzinfarkt vorbeugen.

Besonders beliebt sind Omega-3-Fettsäuren in Form von Ölkapseln. Gemäss einer Lausanner Studie werden diese von knapp zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung regelmässig geschluckt. Die Kapseln sind rezeptfrei erhältlich und haben einen guten Ruf, weil sie aus natürlichen Fischölen bestehen. Herzpatient*innen können sie helfen, erhöhte Triglyzeridwerte und somit Krankheitsrisiken zu senken. «Die Ergebnisse sind jedoch nicht konsistent, zudem sind die Kapseln nicht völlig unproblematisch.» sagt Dr. Baris Gencer, Kardiologe am Genfer Universitätsspital (HUG) und stellvertretender Direktor des Berner Instituts für Hausarztmedizin (BIHAM). Für diese Erkenntnis und weitere Studien zu den Blutfetten erhält er den Forschungspreis 2022 der Schweizerischen Herzstiftung.

GENCER Baris

Dr. Baris Gencer, Kardiologe am Genfer Universitätsspital (HUG) und stellvertretender Direktor des Berner Instituts für Hausarztmedizin (BIHAM).

Auslöser für Vorhofflimmern
Die von Baris Gencer durchgeführte Metaanalyse von sieben Studien mit über 80 000 Patient*innen hat bestätigt, dass sich das relative Risiko für Vorhofflimmern durchschnittlich um 25 Prozent erhöht. «Vorhofflimmern wiederum erhöht die Gefahr eines Hirnschlags, daher sind die Nebenwirkung von Fischölkapseln nicht einfach vernachlässigbar», sagt er. Wie bei Medikamenten auch müsse man deshalb bei Omega-3-Fettsäuren die Wirkung und Nebenwirkung gegeneinander abwägen. Statt Kapseln empfiehlt er dreimal wöchentlich den Konsum von fettem Fisch. «In der Regel reicht dies völlig aus», so Baris Gencer.

Unterstützen Sie die Forschungsförderung der Schweizerischen Herzstiftung. Dank Forschung können Prävention, Diagnose und Therapie weiter verbessert werden, damit Menschen möglichst lange gesund und unabhängig bleiben und Betroffene trotz Erkrankung ein lebenswertes Leben führen.
Ihre Spende rettet Leben
Jetzt spenden
Header forschung 08 23