Diesmal kein Zufall: Was die zweite Diagnose für mich bedeutete

Betroffene bloggen: Der Betroffenenrat der Schweizerischen Herzstiftung gibt Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einem Hirnschlag eine Stimme. In diesem mehrteiligen Blogartikel schildert Jacques Zuber, wie dank seiner Leidenschaft fürs Langlaufen Schlimmeres verhindert werden konnte.

Aktualisiert am 15. Februar 2024
Betroffene bloggen jacques 8 24
Teil 2 von 3

Dieser Blog bringt die persönliche Meinung der Mitglieder unseres Betroffenenrates zum Ausdruck. Die Schweizerische Herzstiftung übernimmt keine Verantwortung für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit. Die gemachten Aussagen ersetzen nicht das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin.

–––––

Trotz seiner undichten Herzklappe nahm Jacques Zuber an vielen Engadiner Skimarathons teil. Bis bei einer Routineuntersuchung plötzlich eine tickende Zeitbombe sichtbar wurde. Braucht Jacques Zuber nun eine OP und gar eine neue Herzklappe?

Der Vorbereitung war es zu verdanken, dass meine zweite Teilnahme am Engadiner 1981 deutlich besser verlief als meine erste Teilnahme im Vorjahr. Der Marathon wurde für den Langlaufsport zum Wendepunkt. Der US-Amerikaner Bill Koch gewann das Rennen. Er lief erstmals im Siitonenschritt, auch Finnstep genannt, von Maloja-nach-S’chanf. Der Finne Pauli Siitonen hatte irgendwann einmal bemerkt, dass man mit einem halbseitigen Schlittschuhschritt deutlich schneller vorwärts kam. Dass dabei die mühsam gezogenen Langlaufspuren völlig beschädigt wurden, wurde für alle Läufer*innen, die nach ihm folgten, zum Problem. Es dauerte etwa vier Jahre, bis aus diesem Halbschritt die Skatingtechnik entstand. Gleichzeitig wurde die Wachstechnik über den Haufen geworfen, neue Skier wurden entwickelt und, und, und. Die flache Streckenführung des Engadiner eignete sich für diese Technik besonders gut und kaum zu glauben, bald wurde in den hinteren Regionen der Siitonenschritt angewendet. Ganz mutige Teilnehmer*innen hatten den Steigwachs kurz vor dem Start abgezogen oder noch besser gar nie Steigwachs aufgetragen und stattdessen bereits den Wachs aus dem Alpinbereich aufgetragen oder gar eingebügelt, ein Geheimtipp der Anfang März 1981 in den Wachskellern im Engadin wie ein Lauffeuer kursierte. Fast wäre ein Glaubenskrieg ausgebrochen. Aber bald sah man beim Internationalen Skiverband, dass es Platz hatte für beide Techniken, klassisch und Skating.

Nach diesem Exkurs nun zurück zu meinem Geräusch am Herzen. Eine erste Ultraschall-Untersuchung im Frühsommer 1981 bei einem Kardiologen in Zürich bestätigte den Befund einer undichten Aortenklappe. Dies hatte jedoch keine direkten Konsequenzen. Ich sollte noch einige ESM absolvieren, selbstverständlich auch in der Skatingtechnik.

Die regelmässigen Kontrollen beim Kardiologen zeigten über mehrere Jahre keine neuen Erkenntnisse, trotz meiner Aortenklappen-Insuffizienz war ich beschwerdefrei. Der Kardiologe, der mich bis anhin betreute, trat in den Ruhestand, gleichzeitig wurde das HerzZentrum der Hirslanden in Zürich eröffnet. So wurde ich ab 1988 Patient am HerzZentrum. Da war man top modern ausgerüstet, die kardiologischen Untersuchungen mit Leistungstest wurden zur Routine. Meine undichte Aortenklappe blieb stabil.

Einige Jahre später bemerkte man bei einer dieser Routinekontrollen ein Aneurysma. Die Aorta direkt oberhalb der Herzklappe, weitete sich aus und es bildete sich ein Sack. Aneurysmen spürt man bekanntlich nicht, ausser bei einem Riss, aber dann ist es eigentlich zu spät. Dank der wiederkehrenden kardiologischen Kontrollen hatte man das Aneurysma frühzeitig entdeckt. Die regelmässigen Ultraschall Untersuchungen hatten den Trend bestätigt, die Ausweitung nahm schnell zu. Man diskutierte erstmals eine Operation des Aneurysmas. Zwar war die Aortenklappe nach wie vor stabil, trotzdem war es angezeigt, die Klappe gleichzeitig zu ersetzen.

Am 31. Oktober 2008 wurde ich erfolgreich operiert. Plötzlich ging es schnell, ich merkte dies kurz zuvor auch am eigenen Körper …

Kontakt

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Blog? Schreiben Sie uns eine E-Mail und wir tauschen uns gerne persönlich mit Ihnen aus.

Betroffenenrat kontaktieren

Der Autor
Zuber 2 rgb nb web

Als Jacques Zuber dreissig war, bemerkte ein Kardiologe ein Klappengeräusch. Seine Aortenklappe war wahrscheinlich von Geburt an undicht. Daraus entwickelte sich ein Aorten-Aneurysma, das fast dreissig Jahre später behoben wurde. Heute ist er pensioniert und setzt sich ehrenamtlich für den Betroffenenrat ein.

1 510 Betroffenenrat 2020 DE
Ihre Meinung zählt

Sie wollen sich im Betroffenenrat engagieren?

Die Schweizerische Herzstiftung hat zusammen mit vier Initiant*innen den Betroffenenrat gegründet, um Patient*innen eine Stimme zu geben. Erfahren Sie im Flyer mehr darüber, wie Sie sich als Betroffene*r oder Angehörige*r im Betroffenenrat einbringen können. Wir freuen uns über Ihr Engagement!

zur Broschüre