«Der Eingriff damals war sehr riskant»

Vor 53 Jahren kam Philippe Mayencourt mit einem schweren Herzfehler zur Welt. Obwohl die damalige Kinderherzchirurgie lange nicht so weit entwickelt war wie heute, wurde er erfolgreich operiert. Der Schweizerischen Herzstiftung schrieb er einen Brief, in dem er seine Geschichte erzählt.

Aktualisiert am 02. Oktober 2025
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Ich wurde 1971 mit einem schweren Herzfehler geboren. Die Wand zwischen beiden Herzkammern fehlte vollständig, man nennt dies auch Einkammerherz. Dazu kam, dass die Pulmonalklappe stark verengt war. Am 18. Juni 1973, im Alter von eineinhalb Jahren, wurde ich am Universitätsspital in Lausanne (CHUV) am offenen Herzen operiert. Das war ein grosser Eingriff. Aus der einen Herzkammer wurden zwei Kammern rekonstruiert. Als Scheidewand zwischen den Herzkammern diente ein eingenähter Dacron-Patch. Meine inzwischen verstorbenen Eltern erzählten mir, dass das Westschweizer Fernsehen meine Operation gefilmt und in einer Sendung ausgestrahlt hatte. Die Sendung habe ich unterdessen gefunden und mir angesehen. Ich bekam erstmals einen Eindruck davon, was damals mit mir geschehen war. Ob im Film tatsächlich meine Operation gezeigt wurde, weiss ich bis heute nicht sicher.

Ich selbst habe an die Operation keine Erinnerungen. Über 50 Jahre sind unterdessen vergangen. Für das kleine Kind, das ich damals war, war dieses Ereignis jedoch seltsam und unverständlich. Der Eingriff, in der damaligen Zeit offensichtlich sehr riskant, hat es ermöglicht, dass sich mein Körper in einem bis heute unerwartet guten Zustand befindet. Meine Eltern hingegen hatten es sehr schwer. Ihr Alltag spielte sich in den ersten 20 Monaten meines Lebens zwischen unserem Wohnort und den Spitälern von Lausanne und Martigny ab, zwischen Angst und Hoffnung.

Anschliessend wuchs ich ganz normal auf. Ich hatte das Glück, dass ich Fussball spielen und ein Blasinstrument lernen konnte. Ich war Mitglied einer Dorfkapelle und genoss wie alle anderen mein Leben in der Familie, im Beruf und in der Gemeinschaft unter Freunden. Ins CHUV musste ich nur noch zu meinen jährlichen Kontrollen, bis ich etwa 20 war.

«Als ich erfuhr, dass ich irgendwann eine Herztransplantation benötige, wurde mein Leben auf den Kopf gestellt.»


Vor 16 Jahren, ich war 37 Jahre alt, erlebte ich eine Dekompensation. Mein Herz geriet aus dem Gleichgewicht. Der Zustand verschlimmerte sich und führte zu einer Herzinsuffizienz. Drei Monate lang wurde mein Herz in der Kardiologie des CHUV untersucht, mit dem Resultat, dass ich irgendwann wohl eine Herztransplantation benötige. Dies stellte mein Leben völlig auf den Kopf.

Ich musste meinen Lebensstil radikal ändern. Die Ernährung wurde umgestellt, ich ass gesünder und ausgewogener. Bei meinen Aktivitäten musste ich lernen zu merken, wann es zu einer Erschöpfung und Kurzatmigkeit kommt. Ich kontrollierte regelmässig meinen Körper, das heisst, ich musste täglich mein Gewicht wiegen, die Fussknöchel beobachten und den Blutdruck messen. Beruflich trat ich etwas zurück und habe von der IV eine Invalidität von 40 Prozent zugesprochen bekommen. Ich war plötzlich auf sehr viele Medikamente angewiesen. Schliesslich wurde mir ein implantierbarer Defibrillator mit Dreikammersystem eingesetzt.

Seitdem werde ich von der Kardiologie des CHUV intensiv betreut. Mehrmals jährlich lasse ich dort meinen Defibrillator kontrollieren. Ich besuche die Sprechstunde für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler und mache regelmässig einen Belastungstest, der die Leistungsfähigkeit meines Herzens ermittelt. Monatlich gehe ich zum Hausarzt, um die Blutverdünnung zu kontrollieren. Dabei möchte ich betonen, dass die Betreuung hervorragend ist. Man geht immer gut auf mich ein. In der Sprechstunde erfahre ich eine Fürsorglichkeit, die mich beruhigt und bestärkt. Die Medikamente mussten mehrmals angepasst werden, kleine Eingriffe sind erfolgt. Dank der Behandlung habe ich bis heute eine sehr gute Lebensqualität, wenn man bedenkt, was mein Herz noch zu leisten fähig ist.

Die Schweizerische Herzstiftung hat ebenfalls eine wichtige Rolle in meiner Geschichte gespielt. Die wertvollen Informationen in den Broschüren haben einen grossen Beitrag zur positiven Entwicklung geleistet. Die Patientenporträts und die Ratschläge von Spezialistinnen und Spezialisten im Magazin haben mir weitergeholfen. Ich konnte mich Schritt für Schritt an meine neue Lebenssituation anpassen, ging mit Zuversicht voran und fühlte mich in meiner Entwicklung immer unterstützt.

Ihr Philippe Mayencourt

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