«Guter Tiefschlaf ist wie Ferien fürs Herz»

Die Gesundheitswissenschaftlerin Stephanie Huwiler erforscht an der ETH Zürich, wie sich der Tiefschlaf auf die Herzgesundheit auswirkt. Eine Hirnstimulation mit Tönen könnte eine neue Therapie fürs Herz sein.

Aktualisiert am 13. Februar 2025
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Was passiert im Tiefschlaf?
Dr. Stephanie Huwiler:
Im Tiefschlaf sind die Neuronen der Grosshirnrinde gemeinsam aktiv und inaktiv. Den Wechsel von aktiv zu inaktiv können wir als elektrische Wellen messen. Vergleichbar ist dies mit einem Orchester. Die Neuronen spielen nicht mehr wie sonst für sich allein, sondern musizieren synchron, was dann die klaren Tiefschlafwellen ergibt. Je ausgeprägter die Wellen, desto tiefer der Schlaf.

Weshalb ist der Tiefschlaf wichtig für uns?
Der Tiefschlaf ist ein wesentlicher Teil einer guten Schlafqualität. Die Bildung des Gedächtnisses für Erinnerungen und Wissen beispielsweise findet im Tiefschlaf statt. Wir haben zudem festgestellt, dass sich der Tiefschlaf auf kardiovaskuläre Prozesse positiv auswirkt.

Wie reagiert das Herz-Kreislauf-System darauf?
Puls und Blutdruck sinken während des Schlafes. Dies zwar nicht konstant, aber so, dass das Herz so etwas wie Ferien hat. Der Effekt eines guten Tiefschlafes aufs Herz lässt sich am nächsten Tag messen. Im Echokardiogramm haben wir die Verbesserung der linksventrikulären Funktion des Herzens feststellen können.

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Ein guter Tiefschlaf habe schon am nächsten Tag einen positiven Effekt aufs Herz, sagt Stephanie Huwiler.

Kann man den Tiefschlaf beeinflussen?
Ja. Wir können das Orchester der Neuronen zusätzlich synchronisieren. Sobald der Tiefschlaf einsetzt, spielen wir über Kopfhörer den Schlafenden kurze, leise Töne ab, eine Art Zischen. Die Töne nimmt man nicht wahr. Sie haben jedoch den Effekt, dass noch mehr Neuronen auf die Tiefschlafwelle aufspringen. Dadurch verstärken wir den Tiefschlaf.

Verbessert sich so der Schlaf?
Ja, aber nicht bei allen Menschen gleich effektiv. Leider. Ältere Menschen, die nicht mehr viel Tiefschlaf haben, haben auch wenig Verbesserungspotenzial. Vermutlich hat das auch mit dem Gehör zu tun. Weshalb die Stimulation für die einen besser funktioniert als für andere, wissen wir noch nicht.

Wäre damit eine Art Schlaftherapie vorstellbar?
Schlafen müssen wir sowieso. Idealerweise hätten wir irgendwann eine Art Booster für unsere Gehirn- und Herzgesundheit, den wir im Schlaf durchführen. Die auditorische Hirnstimulation ist jedoch eine Technologie, die erst am Anfang ist. Zukünftig werden wir auch andere Arten der Gehirnstimulation untersuchen, um möglichst effiziente Therapien zu entwickeln. 

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