Eine Herzkrankheit ist auch Kopfsache

Im Herz Bistro können Patient*innen ihr Herz ausschütten. Der Erfahrungsaustausch nach einem Ereignis ist wichtig. Denn er hilft, Ängste und Sorgen zu verarbeiten, sagt der Initiator Kurt Brüderlin.

Aktualisiert am 29. Januar 2024
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In der Eingangshalle des Gesundheits- und Fitnesscenters Dy-Fit in Münchenstein bei Basel stehen in einer Ecke bequeme Sofas und Sessel. Kaffeeduft entströmt den Tassen auf dem Tischchen. «Es soll ein wenig wie zu Hause sein», sagt die Eigentümerin des Centers, Sandra Flury. Die Umgebung ist offen, hell, kein steriles Büro, nichts, was an eine ärztliche Behandlung erinnert. Vor zwei Jahren kam Kurt Brüderlin mit einer Idee auf sie zu. Er wolle ein Herz Bistro gründen, wo sich Betroffene austauschen können. Dazu suche er einen Raum, sagte er.

Er selbst erlebte 2017 einen Herzinfarkt, in einer Operation legte man drei Bypässe und ersetzte seine Aortenklappe durch eine künstliche. Danach ging’s in die Reha, das gewohnte Programm. Alles lief glatt, erst als Kurt Brüderlin nach Hause kam, war er plötzlich auf sich allein gestellt. «Niemand sagte mir, an wen ich mich wenden kann, wenn irgendwas nicht mehr geht», erinnert sich der 80-Jährige. Wieso gibt es keinen Ort, wo man sich austauschen kann, fragte er sich immer wieder und wollte dies ändern. Die Suche nach einem festen Ort gestaltete sich schwierig. Ein Jahr lang weibelte er in der Region für sein Anliegen, die Reaktion war fast überall die gleiche: «Aber was schaut für uns raus?», fragte man ihn. Bei Sandra Flury war es dann anders. Die Perle, die er nach eigenen Aussagen gefunden hat, stellte ihm jeden Montagmorgen unentgeltlich den Raum zur Verfügung. Die Schweizerische Herzstiftung unterstützte den Aufbau.

Im Herz Bistro kann man spontan auftauchen und seine Ängste und Sorgen loswerden. Besonders Menschen, die allein leben, schätzen dies. Es sind oft Kleinigkeiten, für die der Arzt oder die Ärztin keine Zeit hat, den Betroffenen aber sehr wichtig sind, beispielsweise, wenn jemand Probleme mit der Medikamenteneinnahme hat. Kurt Brüderlin weiss in vielen Fällen aus eigener Erfahrung, welche Lösungen sich anbieten könnten. Ausreichend Bewegung ist ein weiteres Thema im Bistro, Betroffenen fehlt oft die Motivation. «Wir versuchen den Knopf hier oben zu lösen, den viele haben», sagt er. Die Krankheit sei oft eben auch Kopfsache

Corona hat dem Herz Bistro einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Betroffenen blieben lange fern. Kurt Brüderlin ist aber ein geborener Optimist und glaubt an das Angebot. «Für uns wichtig wäre, dass auch die Ärztinnen und Ärzte einsehen, wie gut ein solcher Austausch für die Gesundheit ist», betont er. Leider kam gerade von medizinischer Seite bislang wenig Unterstützung.

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