Der dritte Eingriff war die Rettung

Für Linus Stauffacher zählten nur Bestleistungen. Bis sein Herz mit 19 Jahren plötzlich fast nichts mehr schaffte. Erst Jahre später wirkte die Behandlung, die dem jungen Mann das Leben zurückgab.

Aktualisiert am 29. Januar 2024
Linus Stauffacher 163 web

Linus Stauffacher dachte nicht ans Herz, bis er in der Notaufnahme lag. Wieso auch? Er war sportlich, jung, ehrgeizig und gesund. Doch dann klingelten alle Alarmglocken. Der Herzmuskel pumpte nur noch schwach, der Rhythmus war viel zu schnell, die Lunge voll Wasser. «Körperlich war ich ein Wrack», ­erzählt er.

Mit 19 Jahren machte sich eine bislang unerkannte angeborene Herzkrankheit bemerkbar. In den Wochen vor dem Notfall ging es täglich bergab. Er kam immer öfter ­ausser Atem, konnte kaum noch Treppen steigen, irgendwann vor Erschöpfung die Zähne nicht mehr putzen. Schlafen ging nur noch in aufrechter ­Position. Und dann das ständige Husten. Als der Militärarzt in der Offiziersschule merkte, dass er auch im Ruhezustand einen Puls von 170 hatte, schickte er ihn sofort ins Spital. Dort implantierte man ihm einen Defibrillator (ICD). Das kleine Gerät gibt im Notfall einen Stromschlag ab und bringt das Herz wieder in den normalen Rhythmus. Eine Ablation, also die Verödung von ­Leitungsbahnen im Herzen, blieb erfolglos. Dank starker Medikamente gegen die Rhythmusstörungen kam die Pumpe rasch wieder in die Gänge – allerdings nur ­vor­übergehend.

Keine drei Haltestellen konnte er im Tram stehen

Nachdem man die Medikamente durch schwächere ersetzt hatte, traten die Störungen wieder auf. Als auch die zweite Ablation nicht gelang, wurde es ganz schwierig. «Jeder Tag war schlimmer als der andere», erinnert er sich. Keine drei Haltestellen konnte er im Tram ­stehen, nach hundert Metern zu Fuss setzte er sich auf eine Bank, um sich auszuruhen. Während der Vorlesungen seines Bauingenieur-Studiums ging er regelmässig auf die Toilette, weil er erbrechen musste. Der eifrige junge Mann wollte so viel, aber nichts ging mehr.

Noch einmal hoffte Linus Stauffacher auf die Geschicke der Kardiologie und begab sich ins Spital. Gegen Schluss der dritten Ablation sagte der Arzt: «Ich ­denke, jetzt ist es gut.» Und es war gut. Zwei Monate später war die Herzleistung fast wieder normal, er drehte die ersten Jogging-Runden mit seiner Schwester. «Ah, das war wunderbar», erzählt er strahlend. Obwohl sein Herzfehler nicht geheilt ist, fühlt sich der 32-jährige ­Familienvater heute wieder gesund. Vor ein paar Monaten kam sein zweites Kind auf die Welt, ein Töchterchen. Und noch immer steht er wöchentlich als Schiedsrichter auf dem Fussballplatz. Gleich nach der rettenden Ablation nahm er seine grosse sportliche Leidenschaft wieder auf. «Es war damals fast eine Trotzreaktion», sagt er, «ich wollte mir beweisen, dass ich es noch kann.»