Samuel und der Siegeszug der Häkeltiere

Vor vier Jahren kam Samuel mit einem seltenen Herzfehler zur Welt. Die erste Herzoperation hatte er schon nach ein paar Wochen. Dass Samuel heute gut leben kann, macht Eltern, Grosseltern und Freunde überglücklich. Seine Grossmutter Patricia häkelt deshalb Herz-Tiere und sammelt damit Spenden für die Herz-Kreislauf-Forschung.

Aktualisiert am 29. Januar 2024
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In der Schweiz kommt etwa eines von hundert Neugeborenen mit einem Herzfehler zur Welt. Das sind jedes Jahr 600 bis 800 Kinder. Samuel ist eines von ihnen. Schon in der zwanzigsten Schwangerschaftswoche während der Ultraschalluntersuchung wurde klar, dass etwas nicht stimmte. «Die Frauenärztin blieb sehr lange mit dem Gerät auf dem Herzchen», erinnert sich Jasmin Bertrand. Nach einem weiteren Termin ein paar Tage später bei der Kinderkardiologin erhielt die Mutter die befürchtete Diagnose: Das Herz des noch ungeborenen Samuel entwickelte sich nicht wie ein normales. Die Kardiologin nannte es eine korrigierte Transposition der grossen Arterien. Oder anders ausgedrückt, die linke und rechte Herzkammer waren vertauscht.

Das Herzchen stabilisieren
Seine beiden ersten Tage nach der Geburt verbrachte Samuel auf der Intensivstation und wenige Tage später erhielt er eine Magensonde. Mit nur eineinhalb Monaten erfolgte die erste Herzoperation. «Es war eine schwierige und intensive Zeit», sagt Jasmin Bertrand, «aber wir waren immer in guten Händen.» Ihre Nächte verbrachte sie wochenlang im Spital. Danach bestimmten regelmässige Untersuchungen bei der Kinderärztin sowie auch der Kinderkardiologin den Alltag. Die Operation, ein Band um die Lungenarterie, stabilisierte Samuels kleines Herz vorläufig. Doch der Sauerstoffgehalt in Samuels Blut wird durch das Wachsen des Herzes in Zukunft weiterhin abnehmen. «Wenn er lange umherrennt, verfärben sich seine Lippen bläulich-violett und die Hände und Füsse werden ganz kalt», sagt Jasmin Bertrand. «Er ist schnell ausser Atem», ergänzt Patricia Steiger, die Grossmutter. Solange die Werte aber im stabilen Bereich bleiben, kann Samuel gut so weiterleben.

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Heute können beide wieder lachen: Samuel mit seiner Grossmutter Patricia.

Weitere Operationen nötig
Doch es handelt sich um eine Zwischenlösung, weitere Eingriffe werden in Zukunft nötig sein. Für die gute medizinische Unterstützung durch die Ärzt*innen sind alle sehr dankbar. Die Familie ist heute deutlich entspannter als früher. Der vierjährige Samuel ist zwar einen Kopf kleiner und viel schmächtiger als andere Kinder in seinem Alter, aber er kann momentan praktisch ohne Einschränkungen leben. Weil er einen Herzfehler hat, bekommt er oft sogar eine Extraportion Aufmerksamkeit. «Bei seinen ärztlichen Untersuchungen wird er wie ein kleiner Prinz behandelt», sagt Jasmin Bertrand und muss dabei etwas schmunzeln.

Häkeltiere für die Forschung
Auch die Grossmutter atmet nach der angespannten Zeit wieder auf. «Ich habe immer das Beste gehofft», sagt Patricia Steiger, «und bin froh, dass sich alles so positiv entwickelt hat.» Weihnachten letzten Jahres hat sie begonnen, Tiere zu häkeln. Zuerst für sich als Zeitvertreib, bis ihre Coiffeurin in Dietlikon sie auf eine Idee gebracht hat. Sie solle die Tiere doch in ihrem Salon verkaufen. «Geld verdienen wollte ich nicht», sagt Patricia Steiger, «da ist mir gleich die Schweizerische Herzstiftung in den Sinn gekommen.» Sie will, dass Kindern wie Samuel in Zukunft gut geholfen werden kann. Deshalb unterstützt sie die Herz-Kreislauf-Forschung der Herzstiftung. Und siehe da: Die ersten Häkeltiere gingen weg wie warme Weggli! Seitdem kommt sie aufgrund der vielen Bestellungen mit Häkeln fast nicht mehr nach.