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Ratgeber Herzinsuffizienz

In der Schweiz leben etwa 200’000 Menschen mit einem schwachen Herz, einer sogenannten Herzinsuffizienz. Dabei lässt die Pumpkraft des Herzens nach und Betroffene sind oft in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. In diesem Ratgeber finden Sie Wissenswertes über die Krankheit, Informationen zur Vorsorge sowie Handlungsempfehlungen.

Diagnose und Behandlung der Herzschwäche

Aktualisiert am 20. April 2026

Sollten Ihre Beschwerden auf eine Herzinsuffizienz hindeuten, ist eine genaue Abklärung beim Arzt notwendig. Der Arzt oder die Ärztin wird zunächst Herz und Lunge abhören, Blutdruck, Puls und Körpergewicht kontrollieren und den Körper auf Schwellungen untersuchen.

Wie wird mein Herz untersucht?

  • Blutuntersuchungen dienen dazu, neben verschiedenen Werten das Herzhormon BNP zu ermitteln. Es handelt sich um ein Eiweiss im Blut, das anzeigt, ob Ihr Herz überlastet ist. Dabei gibt die Höhe des BNP-Spiegels im Blut Auskunft über den Schwergrad der Herzinsuffizienz. Ist der BNP-Wert normal, ist eine Herzinsuffizienz sehr unwahrscheinlich.
  • Die Herzultraschalluntersuchung, auch Echokardiografie genannt, macht Grösse, Struktur, Pump- und Klappenfunktion Ihres Herzens sichtbar.
  • Das Elektrokardiogramm (EKG) zeigt an, ob eine verlangsamte Leitung im elektrischen System des Herzmuskels zur Pumpschwäche beiträgt. Das Langzeit-EKG erfolgt mit Elektroden, die für 24 Stunden auf den Brustkorb aufgeklebt werden. Diese übermitteln alle elektrischen Aktivitäten des Herzens an ein Aufnahmegerät zur Aufzeichnung und späteren Analyse. So können Unregelmässigkeiten des Herzrhythmus offengelegt werden.
  • Ein Belastungstest, zum Beispiel ein 6-Minuten Gehtest, gibt Aufschluss über die Leistungsfähigkeit Ihres Herzens bei körperlicher Belastung.
  • Die Herzkatheter-Untersuchung zeigt verengte oder verstopfte Herzkranzgefässe auf und gibt darüber hinaus weitere Aufschlüsse über die Pumpfunktion Ihres Herzens.
  • Magnetresonanz-Tomografie (MRT) macht die Herz- und Klappenfunktion sichtbar.

Diese Untersuchungen sind in der Regel nicht schmerzhaft und sollten Ihnen keine Probleme bereiten.

Welche Medikamente erhalte ich?

Ziel der Behandlung Ihrer Herzinsuffizienz ist es, Ihre Beschwerden zu mindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und Ihnen ein längeres Leben mit möglichst guter Lebensqualität zu ermöglichen. Eine gute Behandlung verringert darüber hinaus das Risiko einer plötzlichen Verschlechterung der Erkrankung, die oft lebensbedrohlich ist und meist eine Spitaleinweisung nötig macht.

Zur Behandlung der Herzinsuffizienz werden Medikamente eingesetzt. Welches Medikament zum Einsatz kommt, hängt von Ihren Beschwerden und der Schwere Ihrer Herzinsuffizienz ab. Meistens werden verschiedene Medikamente kombiniert, zu Beginn oft in niedriger Dosis. Wenn Sie die Medikamente gut vertragen, wird die Dosis langsam gesteigert. Ganz wichtig dabei ist, dass Sie all Ihre Medikamente genau nach Vorschrift Ihres Arztes nehmen.

Die häufigsten Medikamentengruppen bei einer Herzinsuffizienz sind folgende:

  • ACE-Hemmer oder ARB vermindern die Bildung von Hormonen, welche die Gefässe engstellen können. Dadurch weiten sich die Blutgefässe und der Blutdruck sinkt. Dies entlastet das Herz. Diese Medikamente werden zu Beginn in einer kleinen Dosis verabreicht, die langsam erhöht wird.
  • Betablocker schützen das Herz vor den ungünstigen Auswirkungen von Stresshormonen. Dadurch sinkt der Blutdruck und das Herz schlägt langsamer. Gelegentlich können diese Medikamente zu Beginn der Behandlung müde machen. Dies geht jedoch in der Regel vorbei.
  • Aldosteron-Antagonisten vermindern die ungünstige Wirkung des Aldosterons – eines Hormons, das für die Einlagerung von Wasser im Körper mitverantwortlich ist. Darüber hinaus bewirkt dieses Hormon, dass das Herz steifer wird, was jedoch langfristig für das schwache Herz von Nachteil ist. Daher schützen diese Medikamente den Herzmuskel vor diesen unerwünschten Wirkungen.
  • Diuretika (Wassertabletten) sind wassertreibende Mittel. Sie helfen dem Körper, überflüssiges Wasser und Salz auszuscheiden. Die Wasseransammlungen in der Lunge und in den Beinen gehen zurück. Oft verlieren Sie an Gewicht und können wieder besser atmen. Das Herz arbeitet leichter. Die Wirkung der Diuretika spüren Sie auch daran, dass Sie häufiger auf die Toilette müssen.
  • ARNI (Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker (ARB) kombiniert mit Neprilysin Inhibitor) werden anstelle von ACE-Hemmern oder eines ARB verabreicht. Sie entlasten das Herz, indem sie die Gefässe erweitern und überflüssiges Salz und Wasser besser aus dem Körper ausscheiden.
  • SGLT2-Hemmer führen zu einer vermehrten Ausscheidung von Zucker, Wasser und Salz sowie zu einer Reduktion des Blutdrucks und des Körpergewichts. Die Kombination dieser Effekte kann das Herz und das Gefässsystem entlasten. Die Wasseransammlungen in der Lunge und in den Beinen können so zurück gehen und das Gefühl der Kurzatmigkeit wird abgeschwächt.

Weitere Medikamente, die der Arzt oder die Ärztin bei einer Herzinsuffizienz verschreiben kann, sind:

  • Ivabradin, das die Herzfrequenz verlangsamt und eingesetzt werden kann, wenn der Betablocker nicht stark genug wirkt.
  • Eisen-Behandlung mitteles einer Injektion in die Vene, sollte ein Eisenmangel festgestellt werden.
  • Digoxin, das in einzelnen Fällen zum Einsatz kommt, wenn sich die Herzinsuffizienz-Symptome trotz aller Medikamente nicht ausreichend bessern.

Sind Eingriffe nötig?

Medikamente und die Anpassung Ihres Lebensstils reichen manchmal als Therapie nicht aus – insbesondere bei einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz. Medizinische «Hilfsmittel» (Implantate) können dann eine Lösung sein.

  • Implantierbarer Defibrillator (ICD)
    Bei einer schweren Herzinsuffizienz besteht die Gefahr einer gefährlichen Herzrhythmusstörung. Ein implantierbarer Defibrillator (ICD) bemerkt diese Störung und kann diese durch Überstimulation und – wenn nötig – durch einen Elektroschock beenden.
  • Herzschrittmacher (CRT)
    Bei einer schweren Herzinsuffizienz pumpen die beiden Herzkammern nicht mehr gleichzeitig, sondern zeitversetzt. Durch die schlecht koordinierte Pumpfunktion des rechten und des linken Herzens werden der Blutfluss beeinträchtigt und die Pumpleistung vermindert. Ein spezifischer Herzschrittmacher kann die Herzkammern wieder miteinander in Einklang bringen und die Pumpleistung deutlich verbessern. Man nennt diese Therapie auch kardiale Resynchronisationstherapie oder CRT. Oft sind diese CRT-Geräte gleichzeitig mit einer Defibrillatorfunktion wie bei einem ICD ausgestattet.
  • Herzunterstützungspumpe (VAD)
    Bei einer sehr fortgeschrittenen Herzinsuffizienz braucht das Herz womöglich eine mechanische Unterstützung. Solche Systeme nennt man Kunstherz, Herzunterstützungspumpe oder «Ventricular Assist Device» (VAD). Es handelt sich dabei um eine Pumpe, die entweder die linke oder beide Herzkammern unterstützt. Die Geräte werden in der Regel direkt in die Herzspitze implantiert, die Steuereinheit befindet sich ausserhalb des Körpers und ist über Kabel mit dem Gerät verbunden. Diese Herzunterstützungssysteme werden oft zur Überbrückung bis zur Herztransplantation eingesetzt. Personen, die keine Empfänger für ein Spenderherz sind, können solche Geräte auch als dauerhafte Unterstützung für ihr sehr schwaches Herz erhalten.
  • Andere Eingriffe
    Je nach Erkrankung sind auch andere Eingriffe nötig, beispielweise eine Bypass- oder Herzklappenoperation.

4. Kapitel Herzinsuffizienz

Meine Behandlung: Medikamente, Flüssigkeit und Salzreduktion

Eine Herzinsuffizienz muss mit Medikamenten behandelt werden. Ohne geht es nicht. Medikamente können Ihre Herzschwäche in den meisten Fällen leider nicht vollständig zum Verschwinden bringen. Aber sie lindern die Beschwerden und vermindern das Risiko einer plötzlichen Verschlechterung der Krankheit.