«I love American coffee!»

Betroffene bloggen: Der Betroffenenrat der Schweizerischen Herzstiftung gibt Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einem Hirnschlag eine Stimme. In diesem Blogartikel schreibt Benno Basler über seine Leidenschaft für die USA, die Besonderheiten des «American Breakfast» – und was das für ihn mit Lebensqualität und Herzgesundheit zu tun hat.

Aktualisiert am 15. Februar 2024
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Dieser Blog bringt die persönliche Meinung der Mitglieder unseres Betroffenenrates zum Ausdruck. Die Schweizerische Herzstiftung übernimmt keine Verantwortung für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit. Die gemachten Aussagen ersetzen nicht das Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin.

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Ja, ich freute mich sehr auf meine Reise in diesem Sommer in die USA, auf das Wiedersehen mit den eindrücklichen Landschaften, den unendlichen Strassen und ebensolchen Weiten dieses Landes. Und ich mag das American Breakfast, das ich mir dort jeden Tag gönnte. Spiegelei, zwei Tranchen Speck, French Toast und vieles mehr, was hier in der Schweiz nicht so dazugehört. Und natürlich darf Kaffee nicht fehlen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist der Kaffee meist à discrétion, also es wird nachgefüllt mit der freundlichen Frage «More coffee, Sir?» Ja, ich freute mich auf dieses morgendliche Erlebnis, auch wenn die Realität nicht überall mit der leckeren Vorstellung übereinstimmte …

Was uns Dänemark lehrt
Nun werden vielleicht einige sagen: Das ist doch so Filterkaffee, der schon den ganzen Morgen auf der Wärmeplatte stand, das kann doch nicht als Kaffee bezeichnet werden … meine Schwiegereltern nannten es despektierlich «Gunggeluure». Nun, ich sehe das eben als quasi festen Bestandteil des American Breakfast!

Bevor wir abreisten, habe ich beim Stöbern bei der dänischen Herzstiftung etwas gefunden, das dieser Art von Kaffee sogar noch ein Kränzchen windet. Steht doch da tatsächlich: «Trinken Sie ruhig mehrere Tassen Filterkaffee am Tag.»

Die Däninnen und Dänen trinken im Durchschnitt drei bis fünf Tassen Kaffee pro Tag, das sind zwei mehr als der Schweizer Durchschnitt. Weiter steht da: «Tatsächlich deuten Studien darauf hin, dass drei bis vier Tassen Filterkaffee täglich das Risiko für eine Reihe von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern.» Tue ich also was Gutes für mein Herz? Bisher glaubte ich eher nein, dachte, dass so viel von dem koffeinhaltigen Getränk zu viel für die Gesundheit im Allgemeinen und das Herz im Besonderen sei.

Liegt im Filterkaffee das Geheimnis?
Die Autorin sagt, man habe die bösen Inhaltsstoffe für das Herz nun identifiziert. Zu den «Bösen» gehört nicht etwa Koffein, sondern «Cafestol» und «Kahweol»; die «guten» Substanzen sind etwa Antioxidantien, lösliche Ballaststoffe und Kalium, welche eine positive Wirkung auf den Blutdruck und damit eine herzschützende Wirkung haben sollen! Aber eben … FILTERkaffee steht da! Also wie zu Omas Zeiten heisses Wasser über Kaffeepulver im Melitta-Filter … wieso denn das?

Des Rätsels Lösung folgt auf dem Fusse: «Die gesunden Eigenschaften von Kaffee erhalten Sie nur, wenn Sie sich an Filterkaffee oder Instantkaffee halten. Die Kaffeebrühmethode ist entscheidend dafür, ob Ihr Kaffee schädlich oder schützend auf Herz, Gehirn und Blutgefässe wirkt. Die Schadstoffe des Kaffees, die unter anderem den Cholesterinspiegel erhöhen können, werden im Kaffeefilter und in der Gefriertrocknung, die die Grundlage für löslichen Kaffee bildet, weitgehend entfernt.» Nur gebrühter Kaffee, also Kolben- und Espressokaffee, in grossen Mengen konsumiert, könne den Anstieg des LDL-Cholesterins und des Gesamtcholesterins mitverursachen, sagt die Ernährungsberaterin bei der dänischen Herzstiftung,Lotte Juul.

Auf den eigenen Körper hören
Es soll auch keinen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern und dem Konsum von Koffein geben. Ein Forscherteam der University of California hat untersucht, ob mässiger Kaffeekonsum mit dem Risiko von Herzrhythmusstörungen zusammenhängt. Unter den 300 000 Teilnehmern der Studie stellten die Forschende fest, dass jede zusätzliche Tasse Kaffee am Tag das Risiko von Herzrhythmusstörungen um drei Prozent senkte. Genetische Unterschiede in der Fähigkeit des Körpers, Koffein abzubauen, spielten keine Rolle. Das Risiko von Herzrhythmusstörungen wird durch Kaffee nicht erhöht.

Nun, wie bei allen Beobachtungsstudien sollte man diese Ergebnisse mit Vorsicht geniessen, denn sie decken mögliche Zusammenhänge auf, oft fehlt aber der Beweis des ursächlichen Zusammenhangs. Und ein «Aber» gibt es auch in dem Artikel bereits: Die dänische Lebensmittelbehörde empfiehlt auch bei Filterkaffee, es bei den drei bis fünf Tassen zu belassen, denn der Gehalt an Koffein in Filterkaffee und löslichem Kaffee ist genauso hoch wie in einem anderen Kaffee in ähnlicher Grössenordnung. Es gibt Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern, die trotz der Statistik Herzrasen durch Kaffee bekommen. «Wenn der Konsum von Koffein Beschwerden macht, sollten wir auf den Körper hören und den Kaffee weglassen», betont die Ernährungsberaterin. «Wenn man aber auf sein Herz hört (und Kaffee mag), gewinnt am Ende der gute altmodische Filterkaffee.»

Und wie hat sich nun diese Lektüre in den USA ausgewirkt? Mein All American Breakfast hatte immer noch «all inclusive» und eben gut zwei Tassen Filterkaffee, die mir jetzt dank der obigen Erkenntnisse noch besser zu diesem Frühstück passen. Neu sogar ohne Milch(-pulver), schmeckt mir inzwischen auch!

Ihr Benno Basler

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Der Autor
BR Benno Basler

Benno Basler (Jg. 1952) ist pensionierter Chemiker. Im Beruf war er aktiv in der Lehre und im Gasturbinen-Geschäft. 2018 hatte er einen Herzinfarkt, und seitdem engagiert er sich im Betroffenenrat. Seine Interessen sind: Musik, Reisen, Wandern, Familie, Tanzen … und Schreiben.

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