Hirnschläge und ihre Folgen vermeiden

Dank der heute zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden, können die meisten akuten Hirnschläge behandelt werden. Trotzdem bleiben viele Betroffene schwer behindert. Bei ihnen bleibt die Durchblutung der Hirngefässe auch nach der Behandlung gestört. Weshalb das so ist und wie das künftig verhindert werden könnte, untersucht Susanne Wegener, Neurologin am Universitätsspital Zürich, in einer durch die Schweizerische Herzstiftung finanzierten Studie.

Aktualisiert am 28. Mai 2025
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Quelle: Susanne Wegener

Dank der Fortschritte in der Hirnschlagbehandlung kann bei den meisten ischämischen Hirnschlagpatientinnen und -patienten das Blutgerinnsel entfernt werden. Weshalb reicht das noch nicht?
Prof. Susanne Wegener:
Wir können zwar bei immer mehr Patientinnen und Patienten das Blutgerinnsel gut und schnell entfernen. Trotzdem erholt sich eine nicht unbedeutende Anzahl der Betroffenen schlecht und bleibt schwer eingeschränkt, vor allem bei Verschlüssen von grossen Gefässen.

Wie viele Patient*innen erholen sich nicht gut?
Bei den Grossgefässverschlüssen bis zu 50 Prozent und zwar von denen, die erfolgreich behandelt wurden, bei denen das Gerinnsel also entfernt werden konnte. Das Gerinnsel ist zwar weg, aber das Hirngewebe dahinter wird trotzdem nicht richtig durchblutet. Das bezeichnet man auch als Reperfusionsversagen.

Was sind die Gründe für das Reperfusionsversagen?
Wir vermuten, dass neutrophile Granulozyten eine wichtige Rolle spielen. Das sind Blutzellen, die für die Immunabwehr da sind. In Tiermodellen konnten wir nach der Entfernung des Gerinnsels beobachten, dass die Granulozyten plötzlich langsamer durch die Gefässe fliessen und die kleinen Kapillargefäße verstopfen. Dies tritt vor allem dann auf, wenn der Hirnschlag ein Gefäss geschädigt hat. Im Tiermodell haben wir mit Antikörpern diese Granulozyten entfernt und konnten dadurch die Durchblutung wiederherstellen.

Sie setzen in Ihrer Studie ein spezielles Verfahren ein, um die Granulozyten zu untersuchen. Worum handelt es sich dabei?
Wir nutzen dafür eine Methode, die von unseren Kollaborationspartnern an der Empa entwickelt worden ist. Sie wird abgekürzt mit DHTM, das steht für 3-D Digital Tomography. Mit dieser Bildgebungsmethode können wir in einer Blutprobe die neutrophilen Granulozyten direkt betrachten. Der Hirnschlag aktiviert die Granulozyten, ähnlich wie zum Beispiel eine Lungenentzündung. Das sieht man daran, dass sie stacheliger werden. In diesem Zustand locken sie Blutplättchen an und bilden Gerinnsel, welche die Gefässe verstopfen.

Wie können diese Informationen bei einem akuten Hirnschlag helfen?
Dank des DHTM können wir beobachten, wie sich der Hirnschlag auf die Granulozyten auswirkt. Wenn wir bei einem akuten Hirnschlag feststellen, dass die Granulozyten stark aktiviert sind, können wir voraussagen, dass diese Patientin, dieser Patient wahrscheinlich nach der Entfernung des Gerinnsels keine gute Prognose hat. In diesem Fall müssen wir zum Beispiel den Blutdruck besonders streng kontrollieren oder Betroffene länger im Akutspital behalten.

«Der Hirnschlag hat einen riesigen Impact für die Betroffenen.»


Wie sieht es im Bereich der Prävention aus?
Bei Personen mit Risikofaktoren, die wir in der Sprechstunde sehen, werden wir voraussichtlich anhand von Blutproben sagen können, wer ein hohes Risiko hat, in den nächsten zwei Jahren einen Hirnschlag zu erleiden. In solchen Fällen könnten wir zum Beispiel in einer prospektiven Studie untersuchen, ob wir durch die Gabe von Aspirin oder Plavix das Risiko senken und den Hirnschlag verhindern. Bei Hochrisikopatienten können wir also einen Hirnschlag verhindern und bei Patienten mit akutem Hirnschlag mit einem hohen Risiko für ein Reperfusionsversagen, die Behandlung schon früh anpassen.

Welche langfristigen Verbesserungen erhoffen Sie sich?
Beim akuten Hirnschlag wird zurzeit viel geforscht, zum Beispiel an Medikamenten, die das Reperfusionsversagen verhindern könnten. Daran ist unser Forschungsteam auch beteiligt. Solche Medikamente bewirken, dass die kleinen Gefässe sich besser öffnen oder dass die Granulozyten nicht aktiviert werden. Auch für die Senkung des Risikos eines ersten oder eines weiteren Hirnschlags gibt es ein grosses Potenzial. Es braucht aber erst Studien, in denen man verschiedene Behandlungsmethoden vergleicht.

Wie geht es nach Abschluss dieser Studie weiter?
Das ist ja alles völlig neu, entsprechend müssen wir erst mal abwarten, wie die Ergebnisse ausschauen werden. Wir gehen aber davon aus, dass wir verschiedene Risikoprofile entdecken werden. Es wird Personen mit vielen dieser aktivierten Granulozyten geben und solche mit wenigen. Und dann möchten wir wissen, welche Eigenschaften besonders stark damit assoziiert sind. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass wir zu diesem Zweck ein DHTM-Gerät zulegen. Das Gerät ist nicht grösser als eine Kaffeemaschine und mit unserem Knowhow aus der laufenden Studie könnten wir es auch problemlos im klinischen Alltag einsetzen. Schlussendlich geht es darum, mehr zu lernen, um unseren Patientinnen und Patienten besser helfen zu können.

Was würden Sie sagen: Weshalb sollten unsere Gönner*innen die Forschungsförderung der Schweizerischen Herzstiftung weiterhin unterstützen?
Der Hirnschlag ist eine der häufigsten Erkrankungen. Die meisten von uns kennen jemanden, der betroffen ist. Es ist zudem eine sehr schwere Erkrankung, welche die Menschen aus dem Leben reisst. Ich glaube wir können noch viel Gutes tun, insbesondere wenn man betrachtet, was sich in den letzten Jahren dank Forschung alles getan hat. Das stimmt mich sehr optimistisch.

Unterstützen Sie die Forschungsförderung der Schweizerischen Herzstiftung. Dank Forschung können Prävention, Diagnose und Therapie weiter verbessert werden, damit Menschen möglichst lange gesund und unabhängig bleiben und Betroffene trotz Erkrankung ein lebenswertes Leben führen.
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